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LEAR - (Fast) nur undankbare Kinder

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Shakespeare im Original - das kann schwere Kost sein. Schon auf dem Plakat zur Aufführung fiel jedoch auf, dass sich die EDGG unter Leitung von Ilka Springmann daran wagte, den altehrwürdigen Stoff auch textlich umzugestalten, hieß es doch „Lear. Nearly by the bard“.

 

Überzeugend erfrischende Neuinterpretation des „Lear“ durch EDGG

 

Shakespeare im Original - das kann schwere Kost sein. Veraltetes Vokabular, komplexe Handlung und wie lange können Leute eigentlich auf der Bühne sterben? Wer dergleichen bei der Aufführung von „Lear“ der English Drama Group der Goetheschule erwartet hatte, wurde angenehm überrascht. Schon auf dem Plakat zur Aufführung fiel auf, dass sich die EDGG unter Leitung von Ilka Springmann daran wagte, den altehrwürdigen Stoff auch textlich umzugestalten, hieß es doch „Lear. Nearly by the bard“.

Und konsequent ging es auch nicht um einen König namens Lear, sondern um die gleichnamige Königin (Lara Grabert), welche drei Kindern ein eigentlich faires Angebot macht: Sie vermacht ihnen schon zu Lebzeiten Land und Macht, einzige Bedingung ist, dass sie hören will, wie sehr ihre Töchter sie lieben. Goneril (Ella Crusius) und Regan (Yasmin Cao) überbieten sich auch sogleich in Zuneigungsbekundungen, während die dritte im Bunde, Cordelia (gespielt von Antonia Winkel), den Wettkampf um die mütterliche Gunst nicht mitmachen will. Dementsprechend wird sie auch kurzerhand nach Frankreich „entsorgt“ und heiratet den dortigen König.

Doch im weiteren Verlauf zeigt sich, dass es mit der kindlichen Zuneigung nicht weit her ist, denn kaum haben Goneril und Regan das Zepter in der Hand, nerven Muttis ständige Besuche, sodass sich die Schwestern samt ihren Ehemännern (Alexander Malaschewski und Cedric Gellert) und dem maliziösen Edmund (Niclas Gellert) verschwören, um die Mutter abzuservieren. Allein die Countess of Kent (Marlene Mesa) hält der Königin die Treue und berichtet nach Frankreich vom Schicksal Lears, die von ihren Kindern in den Wahnsinn getrieben wird.

Von der Handlung her ein schwerer Stoff. Doch durch die Inszenierung der EDGG, die Überarbeitung des Textes und die Spielfreude der Schüler halten sich Tragik und Komik hier die Hand. Immer wieder hallt Gelächter durch die Aula, wenn sich die Intriganten allzu wohlig in ihrer Boshaftigkeit sonnen oder die Narren der wahnsinnigen Königin nachstellen, wenn Edmund seinen Auftritt im Moonwalk hat oder sich Regan und Goneril angiften. Auch die vom Barden nicht intendierte wohldosierte Nutzung von Wörtern, die mit F anfangen, trägt ihren Teil dazu bei, den 400 Jahre alten Stoff bei den heutigen Zuschauern anzubringen.

Wer die Vorstellungen der EDGG schon seit Längerem verfolgt, weiß, dass Musik immer eine große Rolle spielt und so gab es auch diesmal viele Gänsehautmomente, wenn die Schüler neben ihrem schauspielerischen Talent auch ihr gesangliches unter Beweis stellten. Dabei wurden sie musikalisch von Jakob Wetekam und Magnus von Behren als Band unterstützt. Alles in allem erlebten die Zuschauer eine äußerst kurzweilige Inszenierung eines Klassikers, die lange in Erinnerung bleiben wird.