.

Eine Maus ist eine Maus, kein Mensch!

„Wissen und Verantwortung“ - Biotechnologieforscherin aus Essen besucht die Goetheschule

 

Diplom-Biotechnologin Theresa Bednar besucht die Goetheschule

 

Im Rahmen des Abiturthemas „Wissen und Verantwortung“ bearbeiten die Deutschschüler in der Qualifikationsphase aktuell ethische Fragen des verantwortungsvollen Umgangs mit Forschungsergebnissen und Wissensbeständen. Um darüber mit einem Praktiker diskutieren zu können, freute sich der Deutschkurs DE 20 von Herrn Freyberg, dass die Diplom-Biotechnologin Theresa Bednar vom Institut für medizinische Strahlenbiologie der Universität Duisburg-Essen auf die Anfrage aus Hannover positiv reagiert hatte und unserer Einladung an die Goetheschule gefolgt war.

 

Bednar berichtete in der Aula lebhaft und offen aus dem Forschungsalltag der genetischen Grundlagenforschung, in deren Rahmen sie die Auswirkungen von Bestrahlung auf genetische Mutanten untersucht. Die Schüler nutzten ausgiebig die Gelegenheit zu Fragen und diskutierten etwa zu Tierversuchen: „Eine Maus ist eine Maus, kein Mensch!“, sagte Bednar. Solche Forschungsergebnisse seien daher selten 1:1 auf den Menschen übertragbar. Daher müsse der Einsatz von Tierversuchen immer sehr genau vor dem Hintergrund des zu erwartenden Wissenszuwachses abgewägt werden, - und das geschehe auch in der Praxis aus ihrer Erfahrung so. Um aber etwa Verhaltensänderungen durch Mutationen oder Fehlen ganzer Gene untersuchen zu können, sei es auch notwendig, Mutanten eine Zeit lang leben zu lassen. „Es ist gut, dass es feste Regularien für unsere Arbeit gibt, eher grenzwertig ist, dass es solche Regeln in manchen anderen Staaten nicht gibt“, bemerkte die Wissenschaftlerin.

 

Die in Deutschland von der öffentlichen Meinung aus ihrer Sicht im gesetzlich vorgegebenen Rahmen aber relativ unbeeinflusst mögliche Forschung bewertete sie positiv und zeigte Verständnis dafür, dass Schlagwörter wie Genforschung, Bestrahlung oder Mutanten bei Menschen Panik auslösen könnten. „Auch bei uns standen sie schon demonstrierend auf dem Dach und haben Fässer angezündet“, schilderte sie. Trotz allem Verständnis seien viele Bedenken aus ihrer Sicht aber unbegründet und ihre Arbeit sei fern von irgendwelchen Horrorszenarien. Eine realistische Risikoeinschätzung aber sei wegen der Spezialisierung der Wissensbestände oftmals im Detail der breiten Öffentlichkeit gar nicht vermittelbar.

 

Gefragt nach ihrer individuellen Verantwortung als Forscherin meinte Bednar, das Problem seien aus ihrer Sicht heute nicht die Ergebnisse einzelner Forscher, sondern die kombinierte Nutzung unterschiedlicher Forschungsergebnisse aus verschiedenen Bereichen, wodurch die Verantwortung individuell weniger spürbar und eher kollektiv würde.

 

Faust oder Galileo Galilei? Ihre erste Motivation für die eigene Tätigkeit sei ihr Wissensdurst, die Dinge immer mehr verstehen zu wollen; und dass es in ihrem relativ jungen Forschungsgebiet noch so viele offene Fragen gebe, dies sei das Faszinierende und ihr eigentlicher Antrieb. Sie glaube aber auch daran, dass letztlich aus ihrer Tätigkeit etwas Gutes entstehe. Schließlich sei die DNA des Menschen im Vergleich ein riesiges Molekül und damit Strahlung alltäglich ausgesetzt. Sie hoffe durch Grundlagenforschung zum Beispiel im Kampf gegen Krebs kleine Erfolge erzielen zu können. - Und was wäre, wenn man die Ergebnisse ihrer Forschung doch missbrauchen würde? Bednars Antwort an den Schüler: „Wenn du Giftmüll entsorgen musst, wirst du das nicht im Bach machen, weil du ein Verantwortungsgefühl hast! So ist das bei mir auch! Das Bittere ist nur, du weißt trotzdem, dass andere das nicht haben, denn wir hören immer wieder davon, dass Giftmüll illegal entsorgt wird! Die Frage ist also nicht allgemein oder einfach zu beantworten, wir müssen da gemeinsam aufpassen!“

 

Falk Freyberg