"Romeo and Juliet" - Love and Death in Goethe's Cellar
Shakespeare von Kindern für Kinder - geht denn das überhaupt?

Dass das nicht nur für "die Kurzen", sondern auch für die Erwachsenen funtkioniert, hat Hans Werner einmal mehr (und tatsächlich zum letzten Mal?) eindrucksvoll mit seinen Nachwuchstalenten bewiesen. Er hat die ganz große Weltliteratur auf die kleine Bühne des Goethekellers geholt, indem er die berühmteste Liebesgeschichte der Welt auf die wesentlichen Szenen konzentriert hat.

Dass der Wortlaut des englischen Originals dabei weit überwiegend erhalten blieb, musste niemanden schrecken: Gut in die Handlung eingeführt durch ein liebevoll gestaltetes Programmheftchen, lauschte man fasziniert der glockenklaren Aussprache der Hauptdarsteller (Juliet: Eda Ciftci, Romeo: John Berta/Silas Heidt) und verlor auch an schwierigen Stellen nie die Orientierung, denn die jungen Schauspieler verstanden es meisterhaft, sich auch mit Mimik und Gestik effektiv auszudrücken.

Einem insgesamt eher schlichten Bühnenbild, das den Blick für das Wesentliche nicht verstellte, standen bezaubernde Kostüme und eine geschickt ausgesuchte musikalische Untermalung gegenüber, sodass von Beginn an eine dichte Atmosphäre entstand.

Nun weiß jeder, dass die Geschichte ein tragisches Ende nehmen muss, aber Shakespeare wäre nicht Shakespeare und die Brain Box wäre nicht die Brain Box, wenn es nicht auch immer wieder Angriffe auf die Lachmuskeln gäbe. "Comic relief" heißt das in der Fachsprache, und das Publikum, das sich anspruchsvoll und offensichtlich gut unterhalten fühlte, spendete immer wieder Szenenapplaus und einen lang anhaltenden Schlussapplaus, den sich die Akteure, aber auch die "unsichtbaren" Techniker und Helfer redlich verdient hatten.
Glücklich konnten sich diejenigen schätzen, die noch Karten für die zweite Aufführung ergattern konnten: Wissen die "alten Hasen" doch, dass der letzten Aufführung immer einen ganz besonderen Zauber innewohnt, die dem Kribbeln bei der Premiere in nichts nachsteht.
Kai Kämmerer

