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Romeo and Juliet Revisited

Die Flying Theatre Company kam zwar nicht aus England geflogen, sondern ganz konventionell mit der Fähre, zeigte in einem Gastspiel an der Goetheschule aber eine unkonventionell frische, freche und freie Inszenierung des Shakespeare-Klassikers um die zwei Liebenden, deren Liebe sie ins Verderben führt. Bei dem schnellen Tempo, den zahlreichen Slapstick-Einlagen und mancher akrobatischer Kunststückchen kam keine Langeweile auf.

 

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If I profane with my unworthiest hand / This holy shrine...

 

So mancher Zuschauer hatte sich - wie z.B. beim ersten Treffen zwischen den Protagonisten - mehr Romantik gewünscht. Beschreibt Romeo hier seine Julia doch metaphorisch als Heilige, die er als Pilgerer verehren möchte.

 

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... if thou think'st I am too quickly won, / I'll frown and be perverse, and say thee nay ...

 

Natürlich ist Shakespeares Stück insgesamt eine Tragödie, aber man sollte auch nicht vergessen, dass Shakespeares Theater ein Theater nicht nur für die Intellektuellen war. Auch der einfache Mann von der Straße sollte ins Theater und dort auf seine Kosten kommen, also musste es auch deftig zugehen, z.B. mit anzüglichen Anspielungen.

 

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O Tybalt, Tybalt, the best friend I had!

 

Die Nurse ist ein gutes Beispiel dafür, dass es auch bei Shakespeare im Original lustig zuging: Sie sorgt mit ihrer Geschwätzigkeit und ihrer Derbheit immer wieder für "comic relief", also des Zuschauers Entspannung von der Spannung durch das befreiende Lachen.

Insgesamt kam sicher jeder auf seine Kosten: Derjenige, der das Stück (aus dem Unterricht) kannte, hörte viele bekannte Zeilen, denn der Text der Inszenierung hielt sich überwiegend eng an die Vorlage. Derjenige, der das Stück nur aus Zusammenfassungen oder vom Hörensagen kannte, lernte die Handlung auf unterhaltsame Art kennen und wurde dabei gut amüsiert. Und vielleicht entstand sogar Lust auf mehr Shakespeare im "richtigen Theater"? Dann böte sich z.B. "Troilus und Cressida" im Schauspiel Hannover an...

Text, Fotos: Kai Kämmerer