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Singin‘ in the rain - das Musical zum 60. Geburtstag

Vergessen, dass man in der Schule ist – Musicaltheater auf höchstem Niveau in der Goetheschule


Begeisterte Jubelrufe, tosender Applaus und Standing Ovations – am vergangenen Freitag, den 13.03.2015, feierte das Musical „Singin' in the rain“ in der Aula der Goetheschule seine hochumjubelte Premiere. Dabei war die überbrandende Begeisterung des Publikums nicht nur ein Produkt elterlichen oder großelterlichen Stolzes, sondern Ausdruck wahrer Anerkennung für die Inszenierung eines Musicalklassikers, der die Bezeichnung „Schulmusical“ nicht mehr gerecht werden würde.

Schwer fällt daher die Entscheidung, wo man mit dem Schwärmen beginnen, aber vor allem wo man mit dem Schwärmen auch wieder aufhören sollte. Ein Versuch sei hier trotzdem unternommen. Gleich zu Beginn begeisterten Musicalchor und das Musicalorchester, an diesem Abend dirigiert von Daniel Meyer, mit einer musikalischen Zeitreise, die mit „It's raining men“ (tolles Solo: Catharina Deege) in der Moderne begann und mit darauf folgenden Themen aus Filmmusikklassikern den Zuschauer allmählich in die Zeit der goldenen Zwanziger entführte.

Gardrobiere

Musikalisch eingestimmt fand sich der Zuschauer bald darauf inmitten einer glamourösen Filmpremiere im Hollywood der Zwanziger-Jahre wieder. Dabei ließen nicht nur die kreischenden Fans und die Ansagen der Radiomoderation Dora Bailey, gespielt von Anna Schöbel, die Szenerie authentisch wirken, sondern auch die individuellen, detailverliebten und eben auch zeitgemäßen Kostüme, die von der Modeschule M3 – MenschenMachenMode eigens für das Musical angefertigt wurden.

Auf dieser Filmpremiere begegnete man dann auch der Hauptfigur Don Lockwood, hochüberzeugend gespielt von Clemens Liese, der in selbstverliebter Art seine Lebensgeschichte erzählte, die von eingeblendeten Bildern ironisch untermalt wurde und so schon für die ersten Lacher sorgte. Für die humoristischen Einlagen an diesem Abend sorgte aber zweifelsohne Michelle Senderski, die in der Rolle der affektierten Lina Lamont das Publikum vor Lachen zum Weinen brachte.

Lina

Unvergesslich bleibt hier die Szene, in der Lina Lamont aufgrund des drohenden Tonfilms bei der strengen Miss Dinsmore, großartig gespielt von Morgane Saint-Cast, Sprechunterricht nehmen muss. Einen starken Kontrast zur exzentrischen Figur der Lina Lamont bildete aber auch die bescheidene und dennoch selbstbewusste Katy Selden, die von der wunderbaren Marlene Mesa an diesem Abend gespielt wurde, der die Rolle wie auf den Leib geschneidert zu sein schien. So verzauberte sie das Publikum mit dem Lied „Lucky Star“ und sorgte mit ihrer unglaublichen Stimme für die ersten Gänsehautmomente an diesem Abend.

Sonnenuntergang

Stimmlich und schauspielerisch sehr überzeugend war aber ebenso Magnus Esmursiev, der den Frauenhelden Cosmo Brown mimte und das Publikum bei seiner Darbietung von „Broadway Rythmn“ mitzureißen wusste. Gleichermaßen beeindruckt haben in schauspielerischer Hinsicht Yergenij Moroz in der Rolle des Studiobosses R.F. Simpson wie auch Niklas Gellert als Regisseur Roscoe Dexter, sodass man sich als Zuschauer nur fragen konnte, ob man es hier denn noch mit Schülern zu tun habe.

Trotz der qualitativ hochwertigen Leistungen eben jener zuvor erwähnten Solisten bedarf die überragende stimmliche Darbietung von Clemens Liese der gesonderten Erwähnung. So brillierte er mit seinem breiten Gefühlsrepertoire in jedem seiner Stücke und ließ nach zweistündiger Aufführung keinerlei stimmliche Ermüdungserscheinungen erkennen.

Lockwood

Sicherlich brachten die Darsteller schon einiges an stimmlichen Grundvoraussetzungen mit, doch dieses nahezu perfekte Gelingen ist wohl nicht zu geringem Anteil Hanno Harms zu verdanken, der die Darsteller im Vorfeld coachte. Gleiches gilt wohl auch für den Musicalchor, der durch das unermüdliche Engagement von Harald Liese und Daniel Meyer, die zusammen die musikalische Leitung der Gesamtinszenierung bilden, zu Höchstleistungen gebracht wurde.

Chor

Dass dieser sich aber immer wieder auch so passend in die Szenerie einfügte, ist nicht zuletzt den Regisseurinnen Heidegret Bleck und Ilka Springmann zuzuschreiben. Diese bewiesen ein hohes Maß an Inszenierungssensibilität, indem sie bei Ortswechseln durch Einblendungen und integrierte Umbaumaßnahmen elegant überleiteten, die unglaubliche Vielzahl an Darstellern immer wieder geschickt ins Szenenbild integrierten und nicht zuletzt die Schüler dazu brachten, aus sich herauszugehen, angstbefreit und hochauthentisch zu spielen. Besonders entzückt haben auch die strahlenden Tänzerinnen, die in großer Harmonie miteinander agierten. Dabei fielen die auf die Szenen feinsinnig abgestimmten Choreografien auf, die ein Produkt der fruchtbaren Zusammenarbeit zwischen Christiane Deutschmann und Ercan Carikci sind, sodass der Tanz wesentlicher Bestandteil des Ganzen wurde.

Tänzerinnen

Doch was wäre ein Musical ohne die Musik. Wie – man möchte fast sagen – gewohnt glänzte das Orchester der Goetheschule, das neben der musikalischen Leitung von Martin Hurek und Thomas Jongebloed betreut und unterstützt wurde, durch herausragende musikalische Qualität. Durch ihre Musik fühlte man sich buchstäblich wie im Film, sodass man sich beim Gedanken ertappt, wie schön doch die musikalische Untermalung des eigenen Lebens sein könnte. Alleine an den hier genannten Akteuren ist die Größe des Projekts ablesbar, was nicht nur Organisation, sondern auch im höchsten Maße Zeit, Engagement und Kooperation von allen Beteiligten abverlangt hat. Unglaublich, dass dies neben dem Schulalltag möglich war.

Finanziell und organisatorisch wäre dieses Großprojekt nicht ohne die großartige Arbeit von Susanne Gätjens realisierbar gewesen, die sich in jedem Fall im Bereich Sponsoring und Supervision für die Goetheschule als unverzichtbar erwiesen hat. In kooperativer Hinsicht kann man das Projekt nur als gelungen bezeichnen, da es zeigt, dass das Erschaffen von etwas Gemeinsamen durch die Zusammenarbeit von Lehrern und Schülern keine pädagogische Utopie ist. Staunend bleibt der Zuschauer also am Ende der zweistündigen Vorstellung zurück und fragt sich, ob er sich angesichts dieses überragenden Schauspiels noch in der Schule befinde. Vielen Dank dafür!

 

Florentina Schneider