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Finally: The Seniors - Abschied von Klaus Klingeberg

 

finally (engl. Adverb): endlich

Endlich war es so weit: Nach fünf langen Jahren gab es endlich wieder einen Goetheabend! Eine lange Durststrecke war vorbei und das Publikum wurde von den Altmeistern reich beschenkt.

 

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Vom 14. bis 16. Februar präsentierten "The Seniors", also Hans Werner, Walter Schedlinsky und Klaus Klingeberg einen letzten Goetheabend. Mit der Pensionierung Klaus Klingebergs geht nun eine Ära zuende. Eine Ära des bissig-satirischen Schulkabaretts, das vor allem von seinen drei Protagonisten lebte.

 

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Das Bühnenbild der aktuellen Produktion erinnerte daran, dass die drei sich bei vergangenen Auftritten häufig als Schiller (Hans Werner), Goethe (Walter Schedlinsky) und Nietzsche (Klaus Klingeberg) präsentierten. Zugleich war es eine Reminiszenz an die von Klingeberg entworfene Dekoration auf dem Abiturball 2011 Im Kuppelsaal.

 

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Im aktuellen Goetheabend traten die drei als "The Seniors" in unübersehbarer Anspielung auf "The Simpsons" auf, wobei jeder, der Klaus Klingeberg kennt, natürlich weiß, dass dieser ein großer Simpson-Fan ist. Selbstverständlich hatte die Hauptperson dieser "Abschiedsshow" die Köpfe im Stile Matt Groenings selbst gezeichnet und damit in beeindruckender Weise gezeigt, wie treffend er mit wenigen Strichen sich und seine langjährigen Kollegen charakterisieren kann.

 

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Selbstredend durfte unser "Namenspatron" Johann Wolfgang Goethe an diesem Abend nicht fehlen, und so wurde dem Publikum ein "Faust-Quicky" geboten, der mit einigen neuen Aspekten überraschte. Walter Schedlinsky gab den Mephisto und Hans Werner das Gretchen. Der Hauptperson des Abends blieb die Hauptrolle vorbehalten.

 

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Damit Faust in Ruhe zu seinem Gretchen in deren Kammer steigen kann, muss allerdings erst ihre Mutter "ausgeschaltet" werden. Leider erweist sich die dazu verabreichte Schlaftablettendosis als zu hoch, sodass Goethes Drama hier ganz neue tragische Wendungen nimmt...

 

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Heide Bleck alias "Bleck Magic Woman" warf einen launigen Blick in die Zukunft und berichtete von den noch zu erwartenden Inszenierungen der Seniors an der Goetheschule und auch in deren Altersheim - u.a. "Tanz der Vampire"! Ganz real weiß man aber, dass Klaus Klingeberg zurzeit federführend bei der Vorbereitung der Produktion des Musicals "Kiss me Kate" mitwirkt und so der Schule verbunden bleibt.

 

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Im "Weltläufigen Dialog" stellten die Seniors fest, dass es Walter Schedlinskys silbergrauem Haarkranz an Volumen fehlt. Schlimmer noch musste Hans Werner feststellen: "Ich glaube, du hast gespaltene Spitzen!" Nur gut, dass Klaus Klingeberg sein "Fünf-bis-sechs-Wetter-Taft" dabei hatte - für sofort mehr Glanz, mehr Halt, mehr Volumen.

 

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Aber zu viel Eitelkeit ziemt einem wahren Mann nicht. Klingeberg: "Der Bär im Mann zählt! Ein richtiger Mann nascht keinen Honig. Er kaut Bienen!"

 

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Mit Blick auf die aktuelle Diskussion zu Lebensmittelskandalen stellte Klingeberg pointiert fest: "Essen ist regelrecht gefährlich geworden. Geschmacksverstärker, Konservierungsstoffe, Antibiotika, Pestizide: Da ist der Begriff 'Lebensmittel' völlig fehl am Platz. Wenn du dich heute einmal richtig satt isst, bist du tot!"

 

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Zwischen den Sketchen sorgten die Schülerband "ohne Namen" und eine Street-Dance-Gruppe um Hendrik Torno, der zusammen mit Frederike Wiechmann souverän durch den Abend moderierte, für Abwechslung und atemberaubende Unterhaltung.

 

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Live aus dem Studio des Verkaufskanals "Channel 21" pries Arndt Schmöle (Abitur-Jahrgang 1994 und Goetheabend-Veteran) die Seniors zum Kauf an. Das Modell "Hans" besteche z.B. durch eine beachtliche vierstellige Jahreskilometerleistung auf dem Fahrrad. Eine durchgeschaltete (oder durchgeknallte?) Anruferin wollte zum Modell "Klaus" wissen, ob der denn auch viel Feuchtigkeit brauche. Bei dem Topmodell im obersten Preissegment sicher eine berechtigte Frage. Guter Weißwein wäre da wohl ein heißer Tipp...

 

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Ilka Springmann und Christina Deutschmann alias Frieda und Anneliese tratschten in ihren Paraderollen über Gott und die (Schul-)Welt und so mancher Kollege kriegte dabei sein Fett weg. Nicht wenige bissige Insider-Witze kamen dabei scheinbar ganz harmlos daher, ging es doch oberflächlich nur um Kakao oder Weihrauch.

 

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Mit einer neuen Trendsportart für Senioren bewiesen "the Seniors" eindrucksvoll, dass auch um im Pensionsalter noch was geht: "Zumba Gold" sorgte für knarrende Bühnenbretter und wippende Knie in den voll besetzten Zuschauerreihen.

 

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Arndt Schmöle ließ sich auch von der Anwesenheit des "Lehrkörpers" im Publikum nicht davon abhalten, einen alten Klassiker von Jürgen von der Lippe zum Besten zu geben: "Der Lehrer". Das Publikum wurde dabei - wie im modernen Unterricht... - aktiviert und durfte lautstark mitmachen ("Päda - gooooge!"). "Wer schlägt sich ständig mit Eltern rum, und wer darf nie sagen: 'Dieses Kind ist dumm'? - Der Lehrer!"

 

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Der "Klangkörper" hielt dem Publikum am Ende mit dem "Retirement-Rap" den Spiegel vor und erinnerte daran, dass wir alle älter werden und dass uns die Falten der anderen deswegen so erfreuen, weil es eben nicht unsere eigenen sind. Aber wehe, wenn man selbst erst "eine Faltencreme braucht, mit der man Wellblechdächer glätten kann."

 

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Geschafft! Vier wunderbare, aber auch sehr anstrengende Abende sind geschafft! Vier? Warum denn vier? Weil am 17.2. nach drei öffentlichen Aufführungen noch eine"Best-of"-Auswahl im Rahmen der Verabschiedung Klaus Klingebergs gegeben wurde. Hier, wo aktive Lehrer und ehemalige Kollegen sich zur Ehre der Hauptperson versammelt hatten und ganz unter sich waren, wurde so manches Mal an ganz anderen Stellen gelacht als an den vorangegangenen Abenden...

 

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Für den ganz offiziellen Rahmen der Verabschiedung sorgten im Anschluss an ein opulentes Buffet Reden, in denen Klingebergs Verdienste ausführlich gewürdigt wurden. So ließ es sich Herr Bredthauer denn auch nicht nehmen, u.a. darauf hinzuweisen, dass seit vielen Jahren eine Goethekarikatur des Kunstlehrers den Umschlag der Goethenachrichten ziert und einen großen Wiedererkennungswert erreicht hat. Auch die Vertreter der Fachgruppen Deutsch, Kunst und Darstellendes Spiel ließen keinen Zweifel daran, dass mit Klaus Klingeberg ein fachlich und persönlich geschätzter Kollege geht und eine große Lücke an der Goetheschule hinterlässt.

 

finally (engl. Adverb): abschließend, zum Schluss

Abschließend muss gesagt werden, dass sich Klaus Klingeberg mit diesen Goetheabenden einen würdigen und in seiner Art einzigartigen Abschied verschafft hat, der allen Beteiligten noch lange in lebhafter Erinnerung bleiben wird.

Klaus, du wirst uns fehlen!

 

Text und Fotos: Kai Kämmerer