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norway.today: Spiel mir das Lied vom Leben

Norway.TodayDas vermeintliche Ende ist der Anfang.
Aus dem bevorstehenden Nichts eröffnet sich das Leben.

Regisseur Holger Warnecke inszeniert mit Igor Bauersimas Stück "norway.today" auf gewohnt professionellem Niveau eine ebenso tiefgründige wie augenzwinkernde Hommage an das Leben. Lesen Sie hier über die Premiere (nach weiteren Terminen an der Goetheschule und in Burgdorf folgt eine Aufführung am 8.12.2009 um 11.45 Uhr im Pavillon, Karten über www.holgerwarnecke.de). Bilder können in der Bildergalerie (Menü linke Spalte!) angesehen werden!

 

 
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In Igor Bauersimas "norway.today" (2000) müssen Julie (Tamara Semzov) und August (Matwej Nowakowski) erst dem Tod ins Auge sehen, um zum Leben zu finden. Die beiden jungen Menschen lernen sich in einem Chatroom kennen, in dem sich Leute über ihre Suizidgedanken austauschen. Julie sucht dort jemanden, der sich mit ihr "aus der Welt schaffen" will, und gerät an August, der von sich sagt, er habe sich "eigentlich nie vorstellen können, etwas mit dem Leben zu tun haben zu können". Julies Zweifel, ob er das Einwegticket zur Ewigkeit auch wirklich mit ihr lösen will, kann August zunächst auch mit harten Fakten nicht überzeugen: "Ich hab ne Narbe am Rücken. Ich bin aus dem Bett gefallen, kurz nach der Geburt. Ich hab mich runtergestürzt. War mein erster Reflex."

 

 

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Schließlich nimmt Julie ihn aber doch mit an den Rand der Welt, der sich als norwegische Todesklippe entpuppt. August, der wohl doch eher das Abenteuer als den Tod sucht, ist sichtlich erschrocken über die drohende Tiefe und den langen Fall (was, wenn man kurz vor dem Auftreffen etwas Unpassendes denkt?). Er möchte lieber noch mal eine Nacht drüber schlafen, denn "eine Ewigkeit dauert lange, besonders gegen Ende!" Und ehe Julie, die es eigentlich gar nicht abwarten kann "am anderen Ende eines nicht gelebten Lebens angekommen zu sein", erkennt, was da gerade mit ihr und August passiert, schleicht sich die Liebe ein und lässt die beiden das Leben neu entdecken: "Es könnte sein, dass wir soeben von einem Glück getroffen wurden, von dem wir uns nicht so schnell erholen werden."

 

 

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Theaterpädagoge Holger Warnecke gelingt in dieser Produktion ein Drahtseilakt: ein schweres Thema zu behandeln, ohne in der Tiefe verloren zu gehen. Das Stück konfrontiert den Zuschauer zwar mit dem Tod, feiert aber zugleich das pralle Leben. Und der Regisseur versteht es meisterhaft, die komischen Elemente so zu inszenieren, dass das Publikum immer wieder erleichtert auflachen kann und sogar Szenenapplaus spendet, wenn z.B. August sich zum Affen macht, weil er erkannt hat, dass er "im Angesicht des Todes" machen kann, was er will (er will übrigens mit einem "My first Sony"-Kinderkassettenrecorder herzzerreißend Karaoke singen!). Es kommt ja gar nicht mehr drauf an!

 

 

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In diesen komischen wie auch den ernsten Szenen zeigen Tamara und Matwej eine atemberaubende Bandbreite an Mimik und Ausdruck. Musikalische Einlagen, eine aufwendige Videotechnik mit Live-Projektionen, Standbildern und Wiederholungen (Technik: Torben Petersen) wie auch das augenzwinkernde Spiel mit dem Publikum unterstützen das temporeiche Spiel der beiden jungen Mimen. Das geschickt spartanische Bühnenbild, das in seiner Symmetrie eine ganz eigene Ästhetik hat, gibt den beiden Schauspieltalenten dabei genügend Raum zur Selbstdarstellung.

 

 

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Am Ende möchte man Tamara und Matwej zurufen, was die beiden dem Publikum als Julie und August gerade gezeigt haben: Norwegen war gestern. Heute liegt euch das Leben und die ganze Welt zu Füßen!

 

Kai Kämmerer

 

 

Premiere am 16.9.2009, weitere Aufführungen am 17.9., 18.9., 19.9. und 26.9. jeweils um 20 Uhr in der Goetheschule. Karten sind an der Abendkasse erhältlich.

 

Weitere Infos zum Stück und zum Regisseur gibt es unter www.holgerwarnecke.de