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Es liegt was in der Luft: ein ganz bestimmter Duft... Buttersäure?

Langweiliges, ödes Seminarfach? Eine Stunde in der Woche mal so richtig chillen? – Nicht so im Seminarfach Naturwissenschaft (sn1) bei Herrn Trauschke!

Ein Bericht der Seminarfach-Projektgruppe „Ester als Duftstoffe“

Donnerstag, der 17.11.2011: Im Chemieraum 1 riecht es mal wieder unangenehm nach ranziger Butter oder auch nach Erbrochenem. Für die Projektgruppe der Estersynthese nichts Besonderes: „Hier entstehen Duftstoffe wie in der Parfümindustrie“, erläutert Projektleiter Christian Firneis. Duftstoffe? - Wie soll das funktionieren, fragen sich seit einigen Stunden die anderen Seminarfachteilnehmer, die nun am Fenster hängend nach frischer Luft schnappen: „Das wird doch nie akzeptabel riechen“, merkt eine Schülerin an. Doch die Projektteilnehmer sind da anderer Auffassung: „Was wir hier durchführen, ist eine Veresterungsreaktion, genauer gesagt eine Kondensationsreaktion“, gibt Christan Firneis bekannt. Ibrahim Aydemir ergänzt: „Als Edukte verwenden wir Buttersäure mit verschiedensten Alkanolen!“

 

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Ein Teil der Projektgruppe (von links: Toruntay Cem Dagli, Christian Firneis, Mirella Cordes, Ibrahim Aydemir)

 

Nach ihren ersten Versuchen mit den Edukten 1-Butanol und Ameisensäure, welche nicht den gewünschten Erfolg brachten, konzentrieren sich die Schüler nun auf die sog. Fruchtester, die zu großem Anteil auch in reifen Früchten enthalten sind. „Das Paradoxe ist der Geruch der Produkte: Buttersäure riecht nach Erbrochenem, die Ester dieser Säure dagegen riechen geradezu paradiesisch“, gibt Toruntay Cem Dagli bekannt.  Um eine größere Vielfalt an Duftstoffen zu synthetisieren, haben die Projektteilnehmer nun auch noch eine andere Säure, nämlich 2-Mehylbuttersäure bezogen. Damit erhoffen sie sich noch feinere Geruchsnuancen zu erhalten. „Wir stellen hier in naturwissenschaftlicher Vorgehensweise hochreine Ester dar, die einfach gut riechen müssen, denn eher können wir uns nicht auf unser zweites Ziel konzentrieren“, sagt Christian Firneis. Ziel der naturwissenschaftlichen Arbeit sei der Erkenntnisgewinn über Dinge, die vorher nicht bereits in exakt demselben Muster bekannt waren, erläutert Ibrahim Aydemir. „Jeder Chemielehrer stellt im Unterricht irgendwann einmal einen Ester dar. Was wir machen wollen, ist eben etwas anderes“, sagt Cem Dagli. „Wir stellen selber Duftstoffe her und möchten danach eine Umfrage starten, wie diese bei unseren Probanden ankommen. Dabei überlegen wir uns verschiedene Kategorien zur Einordnung.“

 

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Buttersäure riecht unangenehm nach ranziger Butter

 

„Jeder, der an unserer Umfrage teilnehmen möchte, ist uns eine große Hilfe, da wir wissenschaftlich valide, also repräsentative Ergebnisse brauchen“, sagt Christian Firneis. Weiter fügt er hinzu: „Wir planen eine Umfrage für Anfang Januar. Dann wird jede Versuchsperson die verschiedensten synthetischen Duftstoffe zum Riechen bekommen und danach anonym eine Meinung abgeben. Diese werten wir grafisch aus und erhalten somit ein unabhängiges, naturwissenschaftlich durchaus vertretbares Ergebnis, welches wir in einem Vortrag oder Kolloquium zu unserer Arbeit erläutern werden!“

 

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Der Mechanismus dieser Kondensationsreaktion ist schnell skizziert.

 

„Jeder Person, die uns durch seine qualifizierte Meinungsäußerung hilft, kann bei den Geruchsproben dabei sein“, sagt Ibrahim Aydemir. Janina Monsees und Mirella Cordes sind für die Umfrage verantwortlich und haben somit eine sehr große Bedeutung für die Projektgruppenarbeit. Dass es eine gerechte Verteilung der Arbeit gibt, ist den Schülern besonders wichtig: „Jeder bei uns muss letztendlich denselben Anteil an der Arbeit haben“, betonen Mirella Cordes und Janina Monsees.

Ob die Ester jedoch als Parfüme taugen, ist schon jetzt fraglich: "Jeder Konsument bekommt es mit einem unangenehmen Feind zu tun, nämlich mit dem Estergleichgewicht. Wer also viel schwitzt, wird bei einem Date mit einem fruchtigen Buttersäureester ein unvergessliches Erlebnis haben", gibt Christian Firneis scherzhaft zu Gehör: "Jeder Chemielehrer wird vermutlich bei dieser Vorstellung grinsen müssen."

 

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Die Veresterungsreaktion erfolgt unter Rückfluss mit einem Dimrothkühler

 

Die Projektgruppe zieht ihr Zwischenfazit: „So macht naturwissenschaftliches Arbeiten Sinn. Wir haben ein klares Ziel vor Augen und sind froh, dass wir auch selbstverantwortlich forschen können. So ist allein unser eigenes Handeln die Grundlage unseres möglichen Erfolgs - oder eben auch des Misserfolgs.“


Die „Estergruppe“: Christian Firneis, Ibrahim Aydemir, Toruntay Cem Dagli, Mirella Cordes und Janina Monsees.