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Zurück in die Eiszeit

Auf eine Geo-Exploration der besonderen Art begaben sich 42 Schülerinnen und Schüler der Goetheschule am Freitag, den 29. August 2013. Und zwar hatte man als Ziele nicht etwa die berühmten weißen Flecken der Entdeckerkarten ausgewählt, also gnadenlose Hitzewüsten, nachtdunkle tropische Wälder, sondern ein paar Berge, die in Wahrheit gar keine sind. Gerade mal 60 Meter Höhenunterschied bringen die „Brelinger Berge“ auf die Messlatte.

Exkursion Wedemark 2013

Ihre Besonderheit liegt also kaum in schwindelerregenden Felsabstürzen oder dergleichen Abenteuer, sondern in dem Material, aus dem sie bestehen: Ihr Inhalt besteht fast aus allen Gesteinen und Mineralien Nordeuropas und beherbergt 95 % der in Deutschland vorkommenden Gesteine der festen Erdkruste. Diese Insel aus so vielfältigem Gesteinsmaterial ist umgeben von tiefgründenden Hochmooren, in denen wohl so mancher „Rote Hans“ ein rasches Ende gefunden haben wird.

Nach einem erfolgreichen Start gegen 08.45 h erreichten die Zeitreisenden nach nur 20 Minuten Fahrt durch den regionalen Orbit die extrahannoversche Station Resse. Dort erwartete die ehemalige Goethelehrerin Fr. Dr. Helga Schulz-Knoke die Gruppe, um sie 7.000 Jahre auf dem Zeitstrahl in die erdgeschichtliche Vergangenheit zu versetzen, die Zeit, in der die Hochmoore der Umgebung das Wachsen lernten. Das das Ökotop Hochmoor mit seiner an Nährstoffmangel extrem angepassten Pflanzenwelt nicht nur schützenswert ist, sondern die Torfmoospflanzen während ihres Wachstums einen immensen Anteil an CO2 binden, also die Moore auch einen wichtigen Beitrag zur Eindämmung des Klimawandels leisten können, war dabei ebenso beeindruckend wie die  Erkenntnis, dass der in einigen Mooren bis heute andauernde industrielle Torfabbau diese Systeme unwiderruflich zerstört.

Exkursion Wedemark 2013

Bis zum nächsten Haltepunkt ging es gleich 250.000 Jahre zurück in die eiszeitliche Vergangenheit unserer Region. An dieser Station, einer Sandgrube bei Oegenbostel, wartete Frau Kerstin Jakob, eine Geologin.  Wer bis dahin geglaubt hatte, dass man Sand, Steine Erde nicht essen könne, wurde eines Besseren belehrt. Genussvoll durften die Teilnehmer in das braune, cremig-flüssige Mantelmagma, das den festen (Haselnuss-)Kern der Minierde umgab, zusammengehalten von einer ebenfalls festen Schoko-Kruste beißen. Mit dem Hinweis, dass das Ganze jetzt im Mund vergleichbar mit der Umwandlung von Gesteinen im oberen Erdmantel sei, durfte dann endlich auch gegessen und geschluckt werden. Die kulinarische Zeitreise wurde mit der Verkostung von sogenannten „Sedimentationskeksen“ fortgesetzt, bis man schließlich mit echtem Geologenhammer auf die gleichfalls echten Steine losgelassen wurde. Eine Station weiter konnte ein Findling von ca. 2 Tonnen Gewicht, allerdings auf Gleisen, bewegt werden - einer kam durch!

Exkursion Wedemark 2013

Auf diesem Weg durstig geworden, wollten die Zeitreisenden nach vorne in die Zukunft. Nach einer punktgenauen Landung in der Gegenwart fanden sich alle im Hof-Café der Fa. Hemme-Milch in Sprockhof wieder, wo vielerlei Milchprodukte oder auch mächtige Torten probiert wurden. Nach dieser Stärkung ging man zur Betriebsbesichtigung über, die zunächst durch die Viehställe und den Melkhof führten, in dem Kühe lernen Karussell auf einem Wasserbett zu fahren. Sie genießen es, meinte die versierte Führerin, wie überhaupt der Eindruck entstand, dass moderne Landwirtschaft trotz industrieller Technik nicht zwangsläufig mit Einbußen beim Tierschutz oder der Tiergesundheit einhergehen muss. Auch den berühmten Misthaufen suchte man vergebens. Die Exkremente werden unterirdisch entsorgt und in einer benachbarten Biogas-Anlage einer Verwertung zugeführt. Auch die durchschnittliche Lebensdauer für Milchkühe von 5 Jahren wird bei Hemme um drei Jahre überschritten.

Kommen wir zum Highlight des Besuchs: „Süß!“, „Oh wie lieb“, „Darf man sie streicheln? - Oh ja!“,  der Kälberkinderstube des Hofes. Jedes Kalb in einer eigenen kleinen Box, vierzehn Tage Kinderstube, danach Kindergarten und schließlich eine Art Schule, in der dann schon feste Nahrung, also Silage und Heu verabreicht werden. Aber: Keine Koedukation! Die männlichen Tiere werden nach drei Wochen an einen Bullenaufzuchtbetrieb weitergegeben.

Exkursion Wedemark 2013

Der Weg zurück: etwas Rushhour, schließlich staubig und etwas müde, aber unbeschadet bei der Ankunft an der Goetheschule. Der Jetlag eines langen Schultages kommt später.

 

Text & Fotos: W. Schedlinsky & S. Menkens