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Interview mit Kevin Konstantin Mantu

Interview mit Kevin Konstantin Mantu am 22. Juli in der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover

Herr Liese: Gratulation von Seiten der Goetheschule für deinen großen Erfolg beim Bundeswettbewerb im Fach Klavier !
Was dich aber so besonders macht, ist deine Eigenkomposition, die du ja auch bei diesem Wettbewerb gespielt hast. Was hat dich dazu bewogen, mit einer eigenen Komposition in diesen Wettbewerb zu gehen?

Kevin Mantu: Das Stück heißt „Inferno“, es geht musikalisch um ein Inferno, ein loderndes Feuer, verlorene Seelen.... Ich möchte aber nicht so viel erklären, die Musik soll selbst zu Wort kommen.

Liese: Du hast erst mit 13 Klavier begonnen? Das ist ja relativ spät, wolltest du das?

Mantu: Meine Mutter meinte auch, es sei zu spät. Sie wollte, dass ich mit 6 Jahren beginne. Meine Eltern sind Jazzmusiker. Es hat mich aber gestört, so früh zu beginnen, weil es nicht von mir kam. Meine Mutter hat dann schon Druck aufgebaut und gesagt, es würde später zu spät sein. Ich galt sogar als Kind in der Grundschule als unmusikalisch...

 

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Liese: Was war ausschlaggebend dafür, dass du dann mit 13 Jahren angefangen hast?

Mantu: Meine Mutter hat auch Klavier gespielt und sie spielte einmal die bekannte „Mondscheinsonate“, 1. Satz von Beethoven zu Hause am Klavier, und da musste ich mir selber eingestehen, dass diese Musik schön ist, und da habe ich gesagt, ich möchte das ausprobieren. Ich war fasziniert von dieser Musik. Meine Mutter zeigte mir dann die ersten Takte des Stückes, nur die Tasten, Notenlesen konnte ich damals nicht. Und dann hat es mich gepackt! Dann hat sie mir in Abständen immer mehr gezeigt, nur über das Hören und die Tasten.

Liese: Was sagt deine Mutter jetzt nach dem 1. Preis im Bundeswettbewerb? Hatte sie das erwartet?

Mantu: Sie hätte das niemals gedacht. Sie hat sich aber damals eingestanden, dass es nicht normal, ist mit Beethoven als Anfänger zu beginnen. Ich bekam dann Klavierunterricht, später bei Marc-Piere Toth an der Musikhochschule, und spielte ihm eine Chopin-Etüde vor. Das war damals, aus heutiger Sicht, nicht so überzeugend. Nach dem Vorspiel sagte er aber, dass er mit mir arbeiten wolle. Das war für mich ein Durchbruch in ein „neues Leben“.

Liese: Ein „neues Leben“ bedeutet auch sich eine neue Struktur zu geben. Wie hat sich z.B. dein Tagesablauf verändert?

Mantu: Er hat sich total verändert. Aber auch mein Charakter hat sich verändert. Ich wurde sensibler durch die Musik. Seit ich Klavierspielen kann, hab ich mich auch immer für Komposition interessiert, habe zunächst Rondos geschrieben. Das waren aber noch keine guten Stücke, wie ich finde. Mein Klavierlehrer riet mir, die Aufnahmeprüfung für das IFF an der Musikhochschule zu machen. Ich hatte erst nicht damit gerechnet, dass ich die Aufnahmeprüfung bestehe. Meine ersten Kompositionsversuche habe ich mit 14 Jahren gemacht, also gleich zu Beginn, als ich mit Klavierspielen anfing. Heute zeige ich meine kompositorischen Arbeiten auch meinen Professoren, z.B. Professor Christoph Hempel, bei dem ich Tonsatzunterricht habe.
In meinen Kompositionen bin ich stilistisch noch nicht so festgelegt. Aber mit „Inferno“ habe ich durchaus für mich neue Wege beschritten und auch expressionistische Elemente musikalisch verwendet.

Harms: Nach dem Abitur möchtest du Musik studieren. Was erwartest du von einem solchen Studium, welche Wege willst du hier genau beschreiten?

Mantu: Ich möchte gerne in Hannover an der Musikhochschule studieren und zwar aufbauend vom Bachelor über den Master bis zur Soloklasse. Mein Traum wäre es, nach dem Studium einen Lehrauftrag an einer Musikhochschule zu bekommen. Sehr gern würde ich Klavier unterrichten, jedoch auch Musiktheorie oder gar Komposition.

Harms: Glaubst du, dass es heute wichtig ist, als Musiker vielseitig zu sein?

Mantu: Ja. Die Pianisten-Welt ist schon sehr groß, es gibt so viele, die Konzertpianist werden wollen. Ich möchte gern auch eine sichere Perspektive haben. Deshalb sehe ich mich nicht ausschließlich im Konzertbereich, sondern auch im Bereich Musiktheorie und vor allem Komposition.

Liese/Harms: Kevin, vielen Dank für dieses wirklich interessante Interview. Wir wünschen dir schon jetzt für deine Zeit nach dem Abitur alles Gute!

 

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