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Übung macht den Meister: Skifahrt 2017

Knapp 16 Stunden Fahrt im Doppelstockbus. Das anfängliche Hoch wurde schon ab der dritten Stunde von einer sich schnell ausbreitenden Müdigkeit in den Schatten gestellt, gegen die sich nicht einmal die letzte Reihe wehren konnte. Nach einigen Stunden hatte man dann aber doch den Dreh raus und konnte sich auf die kurzen Schlafperioden einstellen, obwohl die Sitzplätze nicht zum Schlafen einluden.

 

Endlich angekommen in Mallnitz konnten wir die Augen vor Staunen und Begeisterung gar nicht weit genug aufreißen. Als Hannoveraner waren diese

Schneemassen, von denen wir in der Heimat nur träumen konnten, in diesem Augenblick das Schönste auf der Welt und alles andere war vergessen. Unser Verlangen, sofort die bergige Umgebung zu erkunden wurde zunächst kurz durch den Hunger und den Wunsch nach einem richtigen Bett unterbrochen, aber nach dem Frühstück und dem Beziehen der Zimmer sollte es für uns das erste Mal ins Skigebiet gehen. Allerdings stand heute noch nicht das Skifahren auf dem Plan, sondern die meisten von uns mussten Skier, Skischuhe und Stöcke ausleihen. Anschließend hatten wir nach dem Skiverleih noch ein bisschen Zeit, um die Skifahrer auf der Piste zu bestaunen und uns mental darauf vorzubereiten in den nächsten Tagen selbst die Piste unsicher zu machen.

 

Nachdem Herr Bauerschäfer den Anfängern professionell erklärt hatte, wie man Skier überhaupt trägt, kamen wir extrem vollbepackt mit Skischuhen, Helmen, Skiern und Stöcken wieder bei der Herberge an. Es wurde geschlafen, ausgepackt und eingekauft beim Billa, dem Supermarkt direkt neben Pension. Nach dem Essen wurde natürlich die ganze Pension erforscht. Wer ist in welchem Zimmer? Wer hat einen Fernseher? Wer das beste Bad? Naja, und in manchen Zimmern: wer schläft

als erstes ein?

 

Am nächsten Morgen stieg die Aufregung stetig. Für viele war es immerhin der erste Tag in ihrem Leben auf einer Piste und auf Skiern. Und auch die „Fortis“ (Fortgeschrittenen) waren aufgeregt. Mit dem Bus fuhren wir, inklusive hübscher

Accessoires in Form von Helmen, Skiern, Handschuhen usw. ins Skigebiet. Auf dem Weg dahin verlor schon der ein oder andere einen Stock, einen Handschuh oder gar eine Skibrille. Oben angekommen machten wir gemeinsam witzige Aufwärmspiele. Witzig? Naja, für die Lehrer war es mit Sicherheit witzig, wie unbeholfen wir am ersten Tag im Schnee rumkugelten. Direkt nach den spaßigen Aufwärmspielen wurden die Gruppen eingeteilt, die jeweils immer von einem Lehrer übernommen wurden. Bis zum Mittagessen, das wir täglich in der pistennahen Alm einnahmen, wurden die Gruppen mit Anfängern von ihrem jeweiligen Lehrer oder ihrer Lehrerin an einem niedrig liegenden Abschnitt der blauen Piste trainiert. Im Gegensatz dazu ging es für die Fortis schon hoch hinaus, auf die rote Piste.

Nach dem Mittagessen wurden die Gruppen je nach Können neu aufgeteilt und nun hatten auch schon die meisten Anfänger das Vergnügen, mit dem Tellerlift bis zur Hälfte der blauen Piste hochzufahren und dann auf der Piste erste Kurven zu fahren.

Nachmittags fuhren wir dann wieder zurück zur Herberge und ließen den Tag ohne große Aufregungen ausklingen.

 

Am dritten Tag wurden den Gruppen wieder neue Lehrer zugeordnet und die Anfänger machten hauptsächlich Übungen zum Stockeinsatz, der Hoch-Tief-Entlastung und der Belastung des Tal-Skis. Nur das Fahren in einer Formation war nett ausgedrückt noch etwas verbesserungsfähig. Während die Fortis oben auf den roten und schwarzen Pisten trainiert wurden, fuhren einige Anfängergruppen mit dem Ankerlift die komplette blaue Piste hoch und bewältigten diese komplett und nur mit wenigen Stürzen. Lediglich der Ankerlift machte einigen Experten von uns Probleme, sodass er mehrmals wegen uns angehalten wurde.

Zur Abwechslung schloss der Tag mit einer Karaokeveranstaltung, bei der natürlich auch die Lehrer und Lehrerinnen ihr Gesangstalent präsentieren mussten.

 

An den ersten Tagen war uns das Wetter gut gesonnen, aber am vierten Tag wurde es reichlich unangenehm. Wolken zogen auf, verdeckten die Sonne und oben auf den roten und schwarzen Pisten wurde das Fahren von starkem Wind, Nebel, Schnee und Sichtverlust erschwert. Besonders schade war diese Wetteränderung für einige Anfänger, die zum ersten Mal oben auf der roten Piste fahren durften, aber sie haben sich tapfer geschlagen und der Kälte und den Schneeverwehungen getrotzt. Und weil ein actionreicher Skitag allein ja noch nicht ausgereicht hätte, ging es für uns abends zum Rodeln auf einer abgesperrten und sehr kurvenreichen Landstraße. Manche von uns lieferten sich mit den Lehrern beim Rodeln ambitionierte Wettfahrten und andere Spezialisten wurden aufgrund ihrer langsameren Geschwindigkeit mit Kleinbussen abgeholt und wieder zur Gruppe zurück gebracht.

 

Spätestens als wir am nächsten Morgen von der Sonne geweckt wurden, waren wir von der Wirkung von Frau Müllers Sonnengruß überzeugt und freuten uns darüber, den Tag bei diesem herrlichen Wetter auf dem Mölltaler Gletscher verbringen zu können. Wir alle waren aufgeregt. Ganz neue Pisten erwarteten uns in 3000 Metern Höhe. Oben angekommen waren nicht nur steile Abfahrten und schwierigere Pisten eine Herausforderung, sondern auch das Fahren mit dem Sessellift, das für viele eine ganz neue Erfahrung war, sorgte für interessante Situationen. Das Ein- und vor allem das Aussteigen entpuppte sich zu einer ernsthaften Problematik, da eigentlich alle bei der Ankunft aus dem Lift kugelten oder bei der Fahrt vergaßen, den Bügel zu schließen. Nach mindestens drei Fahrten mit dem Sessellift kam man dann zur Erkenntnis: „Übung macht den Meister“!

 

 

Wunderschön war es dort oben und obwohl wir am späten Nachmittag fix und fertig waren, wollte niemand wieder in die Pension, denn das würde bedeuten, das atemberaubende und wunderbare Gefühl, das man auf diesem 3000 Meter hohen Gletscher spürt, zurückzulassen.

 

Doch jedes schöne Erlebnis nähert sich irgendwann seinem Ende und der Tag der Prüfung rückte näher. Prüfungen hat keiner gern. Und so kamen wir alle total zerknautscht zum Frühstück am nächsten Morgen. Prüfung hin oder her, die Sonne ließ es sich nicht nehmen in ihrer ganzen Pracht zu strahlen und unsere Gemüter wieder ein bisschen zu erhellen. Zuerst wurden die Fortis geprüft und anschließend die Anfänger, sodass alle ihre Prüfung am Nachmittag hinter sich hatten. Uns allen fiel ein Stein vom Herzen und wir fieberten dem Freitag entgegen, an dem wir alle ein wenig freier fahren durften, denn immerhin hatten wir nun bewiesen wie wir fahren.

 

Der letzte Tag war einer der schönsten! Gemeinsam fuhren wir mit der Ankogeler Gondel hoch auf den Berg und immer zwei Fortis begleiteten vier Anfänger, obwohl wir keine wirklichen Anfänger mehr waren, dank der guten Lehrer, Lehrerinnen und Jule, die uns so prima auf alles vorbereitet haben.

An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön von unseren zwei Kursen an Herrn Gellrich, Herrn Schumacher, Frau Nitsche, Herrn Bauerschäfer, Frau Müller und an Jule(QP3/4). Wir hätten kein besseres Team haben können.

Natürlich durfte eine Abschiedsparty nicht fehlen. Nach dem Abendessen ging es ab in die Disco und wir ließen unsere Fahrt gemeinsam ausklingen.

 

 

Der Samstag kam. Das Glück war auf unsere Seite, auf uns wartete dieses Mal „nur“ eine 13 stündige Fahrt. Doch der Abschied von Österreich, unserem kleinen Örtchen, dem Billa und den Bergen machte es nicht besser. Schweren Herzens mussten wir uns alle verabschieden und machten uns auf den Weg in die Stadt, in der maximal 1cm hoch Schnee liegt. Wenn es hoch kommt ... oder sollte man besser sagen tief?

 

Text: Janna Jeschke

Bilder: L. Schumacher, M. Gellrich